Marketing fühlt sich heute oft an wie Dauerbeschallung. Mehr Kanäle, mehr Formate, mehr Content und trotzdem weniger Aufmerksamkeit. Während viele Unternehmen noch in Kampagnen denken, hat sich die Realität längst verschoben. Sichtbarkeit entsteht nicht mehr durch den einen großen Wurf, sondern durch kontinuierlichen, relevanten Content, der zur Marke passt und über Zeit Vertrauen aufbaut. Nicht laut, sondern konsistent. Nicht kurzfristig, sondern strategisch.
Genau darüber haben wir in der siebten Espresso-Doppio-Folge gesprochen. Gemeinsam mit Moritz Kemmerer vom Autohaus Kunzmann ging es um die Frage, wie sich Marketing über Jahre hinweg entwickeln muss, um heute noch zu funktionieren – von SEO über Content, Video, TikTok bis hin zu Employer Branding. Nicht als lose Einzelmaßnahmen, sondern als zusammenhängendes System.
Marketing ist kein Sprint, sondern ein gewachsener Prozess
Im Gespräch wurde schnell deutlich: Gutes Marketing entsteht selten über Nacht. Bei Kunzmann ist digitales Marketing über Jahre hinweg gewachsen – durch frühe Entscheidungen, kontinuierliches Lernen und den gezielten Aufbau von internem Know-how. Website-Relaunches, saubere SEO-Strukturen oder eigene Plattformen wie eine interne Fahrzeugsuche sind keine Einzelprojekte, sondern Bausteine einer langfristigen Strategie.
Marketing wurde dabei nie als kurzfristige Maßnahme betrachtet, sondern als Investition in Markenstärke und Sichtbarkeit. Wer seine digitalen Grundlagen im Griff hat, schafft Unabhängigkeit von Plattformen, kann Inhalte steuern und nachhaltig Reichweite aufbauen. Marketing wird dadurch weniger reaktiv – und deutlich strategischer.
Warum Storytelling nur funktioniert, wenn es gefunden wird
Storytelling ist wichtig. Aber es reicht nicht aus. Content entfaltet seine Wirkung nur dann, wenn er auch gefunden wird. Inhalte, die nicht sichtbar sind, bleiben Selbstzweck. Genau hier zeigt sich, wie eng Storytelling, SEO und Performance heute miteinander verzahnt sind.
Bei Kunzmann wird Content deshalb immer aus zwei Perspektiven gedacht:
Was interessiert Menschen wirklich – und wie suchen sie danach? Themen rund um Produkte, Services oder neue Technologien werden nicht isoliert ausgespielt, sondern entlang der gesamten Customer Journey weitergedacht. Website, Social Media, Video und Print greifen ineinander. So entsteht Content, der skalierbar ist, ohne an Profil zu verlieren.
Video ist kein Trend, sondern die neue Basis
Spätestens beim Thema Video endet klassisches Kampagnen-Denken endgültig. Plattformen bevorzugen Bewegtbild, Nutzer erwarten echte Einblicke, und klassische Werbespots verlieren an Relevanz. Die Konsequenz bei Kunzmann war klar: Video-Kompetenz gehört ins eigene Unternehmen.
Eigene Content Creator ermöglichen Geschwindigkeit, Authentizität und eine saubere Markensteuerung. Statt punktueller Produktionen entsteht ein kontinuierlicher Content-Fluss, der sich flexibel an Plattformen, Zielgruppen und Themen anpasst. Marketing wird dadurch weniger inszeniert und deutlich näher an der Realität des Unternehmens.
TikTok funktioniert nicht mit alten Regeln
TikTok ist kein weiterer Social-Media-Kanal – es ist ein eigenes Ökosystem. Inhalte, die auf Instagram funktionieren, können dort wirkungslos verpuffen. Wer TikTok mit klassischen Marketing-Mechaniken bespielt, wird scheitern.
Der Ansatz bei Kunzmann ist deshalb bewusst zielgruppengetrieben. Ein Account auf der Plattform wird denjenigen überlassen, die sie wirklich verstehen – den Azubis. Sie kennen Tonalität, Dynamik und Trends. Vor allem aber verstehen sie die Zielgruppe, die erreicht werden soll: Schülerinnen und Schüler, die kurz vor ihrer Ausbildung stehen.
Gleichzeitig wird die Marke geschützt. Klare Leitlinien, Schulungen und Abstimmungen sorgen dafür, dass Inhalte authentisch bleiben, ohne beliebig zu werden. Das ist ein entscheidender Punkt: Markenschutz bedeutet nicht Kontrolle um jeden Preis, sondern einen Rahmen zu schaffen, in dem Kreativität sicher stattfinden kann. So entsteht Employer Branding, das glaubwürdig ist und nicht wie Werbung wirkt.
Employer Branding wirkt dann, wenn es Alltag zeigt
Gerade im Employer Branding zeigt sich, wie wichtig echtes Zielgruppenverständnis ist. Entscheidend ist nicht, ob ein Geschäftsführer die Inhalte persönlich gut findet, sondern ob sie bei den Menschen ankommen, die erreicht werden sollen.
Videos aus dem Arbeitsalltag, Einblicke in Werkstatt, Team und Kultur ersetzen klassische Stellenanzeigen zunehmend. Sie zeigen nicht, was versprochen wird, sondern wie es wirklich ist. Für junge Zielgruppen ist genau das ausschlaggebend. Authentizität schlägt Hochglanz und Vertrauen entsteht dort, wo nichts erklärt, sondern gezeigt wird.
Marketing wird hier zum Bindeglied zwischen Marke, Menschen und Unternehmenskultur. Und genau deshalb funktioniert es.
Struktur schafft Freiheit im Content-Alltag
So dynamisch Content auch ist: Er braucht Struktur. Kunzmann arbeitet mit klaren Jahresplänen, festen Themenclustern, geplanten Shooting-Tagen und gleichzeitig ausreichend Raum für spontane Inhalte. Diese Struktur sorgt dafür, dass Content nicht beliebig wird, sondern konsistent bleibt.
Konsistenz ist heute einer der wichtigsten Faktoren für Markenwahrnehmung. Nicht der einzelne virale Treffer entscheidet, sondern die kontinuierliche Präsenz über Zeit.
Marketing funktioniert dann, wenn es als System gedacht wird
Das Gespräch mit Moritz Kemmerer zeigt sehr klar: Modernes Marketing besteht nicht aus einzelnen Kampagnen, sondern aus einem System. SEO, Content, Video, Social Media, TikTok und Employer Branding greifen ineinander und zahlen gemeinsam auf die Marke ein.
Wer heute sichtbar bleiben will, braucht keine lauten Kampagnen. Sondern einen klaren Plan, relevante Inhalte und den Mut, Marketing konsequent aus der Perspektive der Zielgruppe zu denken.
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